Netinsurer in Konkurs. Kein Zugriff auf Kunden-, Beratungsdaten. (NL 7/24)

Zeigen sich hier die negativen Folgen der Digitalisierung?

Am Freitag kontaktierte uns ein Mitglied, um uns davon zu informieren, dass die HKR Gmbh, besser unter „Netinsurer“ bekannt, in Konkurs sei.
Das habe nun „unangenehme Folgen“, weil man auf zahlreiche Kunden-Unterlagen, Beratungsprotokolle, Verträge, etc. nicht mehr zugreifen könne. Denn der Masseverwalter habe den Server, wo diese Daten liegen, einfach abgestellt (wahrscheinlich um die Kosten einzusparen).

Und unser Mitglied beklagte, dass ihn niemand VORAB auf den Konkurs hingewiesen hatte und ihm damit die Möglichkeit genommen wurde, seine Daten herunterzuladen und somit zu sichern. Er erfuhr vom Konkurs nur „durch Zufall“, als er nämlich beim Kundentermin das Beratungsprotokoll aufrufen wollte, kam lediglich eine Fehlermeldung. Auch telefonisch war niemand zu erreichen.

Also schrieb er eine E-Mail und daraufhin erhielt er eine Mail-Antwort vom Masseverwalter mit folgendem Inhalt:

„Nachdem mehrfach von Kunden die Anfrage an mich gestellt wurde, wo sich die Daten befinden, darf ich Ihnen diesbezüglich die Stellungnahme des ehemaligen Geschäftsführers, Thomas Hajek, zur Kenntnis bringen:

„Ca. 95Prozent der Kunden haben das Produkt über Schnittstellen (CCA, VERA, ARISECUR) genutzt. Dadurch sind deren Daten in deren eigenen Systeme synchronisiert worden. – Sprich diese Kunden haben alle Daten und Protokolle.

Wir haben immer darauf hingewiesen (und im Lizenzvertrag war es – soweit ich mich erinnern kann – auch so geregelt), dass die User (allesamt Unternehmer) selbst für Ihre Backups verantwortlich sind. Physisch liegen die Daten im RRZ (Raiffeisen Rechenzentrum Raaba), aber ohne die Plattform sind diese für die Kunden wertlos, da mehrfach verschlüsselt und nicht exportierbar. Ich gehe davon aus, dass RRZ diese (ebenfalls) mangels Zahlung löschen wird, oder bereits gelöscht hat.“

In meiner Eigenschaft als Insolvenzverwalter darf ich Ihnen mitteilen, dass ich das Unternehmen ohne jegliche Dienstnehmer und mit der Erklärung der Geschäftsführung, sämtliche Vertragsverhältnisse seien bereits aufgekündigt worden, übernommen habe; ich kündige diesen Vertrag im Rahmen dieses Schreibens nochmal aus Gründen rechtlicher Vorsicht, wie oben ausgeführt, auf und weise darauf hin, dass ich aufgrund bestehender Massearmut und mangels Dienstnehmern faktisch nicht in der Lage bin, die nicht mehr bestehende Infrastruktur weiterhin zur Verfügung zu stellen oder gar wieder hochzufahren.“

Unser Mitglied wies aber darauf hin, dass man beim Abschluss des Vertrages mit Netinsurer mehrfach versichert hätte, dass wir zum Beispiel bei einem Anbieterwechsel die Dokumente auf einen gesicherten Datenträger übergeben bekommen würden.  Nun aber sei ohne Vorwarnung die Plattform offline gestellt worden, sodass „wir die Dokumente nicht zeitgerecht sichern konnten“.

Und unser Mitglied fordert nun, die Übergabe seiner Beratungsprotokolle, weil diese ja die Dokumente auch im offline Modus vorhanden sein müssten.

Um herauszufinden, welche Dimension der Konkurs von Netinsurer in unserer Branche annimmt, fragen wir nun unsere Leser und Mitglieder, ob auch sie davon betroffen sind und vor allem in welchem Umfang. Rückmeldungen bitte an Redaktion@ivva.at

Beste Grüße vom IVVA-Team

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