Was prüft Versicherer bei Vermittlern? VST Panhauser im Gespräch (NL 32b/22)

Werner Panhauser, Vorstand Helvetia, Foto Christian Husar von Helvetia beigestellt
Werner Panhauser, Vorstand Helvetia, Foto Christian Husar von Helvetia beigestellt

IVVA: Ich freue mich, dass Sie sich wieder die Zeit nehmen, um mit dem IVVA über aktuelle Themen und Neuheiten zu sprechen. Die IDD steht auf EU-Ebene auf dem Prüfstand, wahrscheinlich folgt eine IDD2. Wie geht es Ihnen mit der täglichen Umsetzung der IDD?

VST Panhauser: Gut. Das ist mittlerweile ein eingespielter Prozess, welchen wir aber laufend weiterentwickeln und verbessern. Eine digitale Erstellung unserer Beratungsdokumentation über unser neues Vermittlerportal TIM ist bereits möglich. Wir arbeiten nun daran den Beratungsprozess ganzheitlich digital abzubilden, also eine Vernetzung aus Deklaration, Wünsche- und Bedürfnisanalyse, Empfehlungsabgabe und Dokumentation elektronisch gestützt abzubilden.

IVVA: Anfang des Jahres wurde leider wieder einmal bekannt, dass die Behörden bei Vermittlern die Einhaltung der Bestimmungen geprüft haben und 40 % Beanstandungen / Verfehlungen bei Grundlegendem wie Beratung, Weiterbildung, Formvorschriften, etc. festgestellt hatten.

VST Panhauser: Auch im Bereich der Weiterbildung hat sich bei uns ein Routineprozess eingespielt. Wir bieten unseren Vermittlern ein breites Weiterbildungsangebot und haben einen soliden Trackingprozess zur Erfüllung von Weiterbildungsstunden im Bereich unserer angestellten Vermittler.

IVVA: Deute ich Ihre Antwort also richtig, dass es bei Ihren Vermittlern keine der oben beschriebenen Probleme gab?

VST Panhauser: Hierzu sind uns bei unseren Vermittlern keine Fälle mit schwerwiegenden Verstößen bekannt. Natürlich unterstützen wir unsere Vermittler laufend. Etwa im Bereich der Weiterbildung, aber auch bei Fragen zur rechtlichen Umsetzung, beziehungsweise rechtlich korrekten Prozessabläufen. Beispielsweise stellen wir auch unseren selbstständigen Vermittlern Musterberatungsprozesse, Musterberatungsprotokolle und Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen der IDD zur Verfügung.

IVVA: Prüfen Sie aktiv die Formvorschriften laut Standesregeln (also Offenlegung Identität, GISA-Eintrag, usw.) sowie die Dokumentationspflichten? Wünsche- und Bedürfnistest? Beratungsprotokoll, etc. Und wenn ja, passiert das stichprobenartig oder nur bei Anlassfällen?

VST Panhauser: Die Aufsichtsbehörde FMA sieht für unsere selbstständigen Kooperationspartner eine passive Monitoring-Pflicht vor. Daher würden wir im Falle von aktiven Kundenbeschwerden oder zweifelhaften Anträgen die entsprechende Dokumentation von unserem Partner anfordern. Zusätzlich sehen sich unsere Betreuer Stichproben an, welche im Rahmen von jährlichen Qualitätsgesprächen mit unseren Partnern diskutiert werden.

IVVA: Und verraten Sie uns die Ergebnisse? Gibt es Unterschiede zwischen Agenten und Maklern? Oder sind beide Vermittlertypen gleich gut?

VST Panhauser: Wie nehmen seitens unserer Agenten und Makler überwiegend eine gute Dokumentationsqualität wahr. Es lässt sich nicht bestätigen, dass einer der beiden Vermittlertypen „besser“ in der Umsetzung der IDD wäre. Es gibt sowohl bei Agenten als auch bei Maklern Vermittler die vorbildlich IDD-Regelungen umsetzen und höchst professionelle Prozesse in Ihren Unternehmungen etabliert haben.

IVVA: Sie verlangen also nur bei Beschwerden, also Anlassbezogen das Beratungsprotokoll. Andere Versicherer verlangen dagegen die Vorlage bzw. das Einspielen ALLER Beratungsprotokolle ins Portal, obwohl die FMA das nicht fordert und auf IVVA Anfrage antwortet. „Keine Vorgabe von uns“.
Das ist ein Thema, das bei den Vermittlern für große Unruhe sorgt.

VST Panhauser: Wir betreiben hier kein „Gold Plating“ und halten uns exakt an die rechtlichen Vorgaben. Wie bereits erwähnt sieht die FMA für den externen Vertrieb (so nennt die FMA unsere selbstständigen Kooperationspartner) eine passive Monitoring-Pflicht vor. Genau dieser kommen wir auch nach. Also gibt es bei uns weder bei Maklern, noch bei Agenten, kein kategorisches Einsammeln von Beratungsdokumentationen.

Aber Anlassbezogene Anforderungen und Stichproben gibt es sehr wohl. Mögliche Anlassfälle wären zum Beispiel: Kundenbeschwerden oder nicht-plausible Anträge.

IVVA: Zwar haben wir erst Herbst, aber die Zeit läuft rasch dahin, d.h. in wenigen Wochen stellt sich wieder die Frage, habe ich meine Weiterbildungs-Stunden beisammen? Prüfen Sie aktiv die jährliche Erfüllung der Weiterbildungspflichten Ihrer Vermittler?

VST Panhauser: Ja, die Weiterbildungspflicht prüfen wir ganz genau. Einerseits durch einen sehr genauen Trackingprozess bei unseren angestellten Vermittlern, welcher eine 100% Erfüllung im November jeden Jahres vorsieht. Bekanntlich gibt es keine Nachfristen für nicht-erfüllte Weiterbildungsstunden.

Bei allen selbstständigen Vermittlern, prüfen wir die Erfüllung der Weiterbildungspflichten vor allem in unseren jährlichen Qualitätsgesprächen. Helvetia OQA nennt sich hier unser System und steht für: Organisation, Qualität und Administration. Somit stellt die Erfüllung der IDD-Weiterbildungspflichten für uns einen entscheidendes Qualitätskriterium dar.

IVVA: Bieten Sie selbst Schulungen, Webinare, etc. an, um Vermittlern beim „Sammeln“ der erforderlichen Stunden zu unterstützen? Immerhin können etwa die Hälfte der 15 Stunden auch bei Versicherern absolviert werden.

VST Panhauser: Wir haben ein 5-köpfiges Team in der Helvetia, welches für die Aus- und Weiterbildung unserer Vermittler verantwortlich ist. Dementsprechend breit ist unser On-/Offline & Hybrid Angebot für Weiterbildungsstunden. Aktuell sind noch folgende Weiterbildungsveranstaltungen am Programm:

15.11.-.17.11.2022 Webinar Leben Newcomer B 2022

21.11.2022 HELVETIA WEBINAR: „Vom Gewerberisiko zum Personenrisiko“ Stefan Moser/Moser Danler BAV Teil 2

Veranstaltungen:

07.11.-10.11.2022 HGP und Verkauf Newcomer B 2022

22.11.-23.11.2022 Lehrlingstage 2022

28.11.-01.12.2022 Leben und Verkauf Newcomer B 2022

IVVA: Wohin soll man sich melden, wenn man Interesse hat? Wie kann man sich anmelden?

VST Panhauser: Auf der Homepage der Helvetia finden sie die Kontaktdaten aller Regionalleiter, einfach anrufen oder anschreiben, wir behandeln jede Kontaktaufnahme rasch und 100 % vertraulich.

 

Im nächsten Teil des Interviews mit Vorstand Werner Panhauser erfahren wir mehr über das
Nachwuchs-/Nachfolgeproblem der Branche,
– was Nachhaltigkeit alles umfassen kann und soll,
– wie sich Nullzinspolitik und hohe Inflation auf Sparvermögen auswirken und zum Boom bei FLV führen,
– ob Helvetia weitere Agenten als Partner sucht und warum Agenten mit Helvetia zusammen arbeiten sollen.

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