Vorstand Panhauser zu Digitalisierung und hybridem Arbeiten (NL 31b/21)

IVVA: Meine übliche Einstiegsfrage: Was hat sich bei Ihnen in den letzten 12 Monaten geändert?

Vorstand Werner Panhauser, Helvetia, Foto: Christian Husar

VST Panhauser, Helvetia: Auch heuer macht sich nach wie vor Corona bemerkbar. Denn indirekt ist Corona für viele Veränderungen verantwortlich. Konkret meine ich, dass sich das hybride Arbeiten – sowohl mit den eigenen Mitarbeitern, als auch mit Partnern immer stärker durchsetzt.
Auch Home Office als Teil des Arbeitens hat sich bei uns bestens bewährt.

IVVA: Wir sehen als0, dass sich die Digitalisierung sukzessive durchsetzt.

Panhauser: Klar ist, dass hybrides Arbeiten als grundlegender Bestandteil unseres Arbeitsalltages über alle Ebenen hinweg gekommen ist (um zu bleiben, wie ich vermute). Das geht bei uns vom Innendienstbereich bis zu den Führungskräften. Und gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern.

IVVA: Haben sich die Vermittler an die neue Situation gewöhnt, adaptiert?

Panhauser: Ich beobachte, die Branche entwickelt sich unterschiedlich. Zahlreiche Vermittler haben die neuen Chancen genützt, auch die der Digitalisierung. Und sind stärker in Branchenbereiche vorgedrungen, die sich als Zielbranchen in der Corona-Zeit entwickelt haben (etwa Medizin, Cyber, Transport, etc.).

Wie so oft entscheidend ist der richtige Mix aus Kundennähe und Digitalisierung, hybrides Arbeiten eben.

IVVA: In den letzten Jahren haben Vermittler den beginnenden Trend zur Digitalisierung oft als Gefahr gesehen, weil sie befürchteten, durch einen Computer ersetzt zu werden. Besteht diese Befürchtung nach wie vor oder hat sich da etwas verändert?

Panhauser: Ich würde es nicht so einschätzen, dass viele Vermittler das als Gefahr sehen. Oft ist es eine Frage, wie weit mein Unternehmen als Agentur bereits selbst digitalisiert ist. Mit Beginn von Corona haben wir verstärkt technische Lösungen und Schulungen zur Verfügung gestellt. Heute stelle ich fest, dass in den letzten Monaten viele Vermittler mit unserer Unterstützung, für sich selbst und Ihre Kunden die optimalen Kommunikationskanäle identifiziert haben. Und nutzen nun jene Tools, die aus Ihrer Sicht am besten für ihr Geschäft funktionieren.

IVVA: Gibt es Erfahrungswerte, welche Vorteile die digitalen Prozesse im Hintergrund auch für die Vermittler bringen? Man liest immer davon, dass man mehr Kunden in der gleichen Zeit betreuen könne, wenn man sie online betreue, die Kunden rascher die Angebote erhalten, etc.

Panhauser: Das trifft sicher zu, aber ich sehe da noch viel mehr Vorteile: Weniger Papier, damit nachhaltiger. Richtige Anträge, weil vollständig. Schneller, weil fehlerfrei. Somit fallen Urgenzen, weitere Kundentermine zur Interventionsbearbeitung weg.

Klar ist aber auch, dass sich viele Versicherungen nicht wie warme Semmeln von alleine verkaufen, sondern erst Bedarf durch den Vermittler geweckt werden muss. Und je komplizierter ein Produkt, umso erklärungsbedürftiger es ist, umso eher braucht man die Vermittler, um Problembewusstsein zu schaffen und die Produkte zu erklären. Gewerbekunden bleiben wohl auch weiterhin ein beratungsintensives Geschäft, also eher persönlich.

IVVA: Wie kamen Sie und Ihr Unternehmen durch die bisherige Corona-Pandemie?

Panhauser: Corona, samt Lockdowns, hat uns wie alle in der Branche weiterhin „beschäftigt“. Die Arbeitslast hat sich erhöht, dementsprechend auch der Druck auf funktionierende Prozesse. Heute kann man feststellen, dass ein stabiles IT-Management, Hard- und Software die entscheidende Basis für uneingeschränkte Erreichbarkeit und einen hohen Servicelevel zu Kunden und Partnern war und ist.

IVVA: Wie hat sich das Geschäft entwickelt?

Panhauser: Sehr gut, trotzdem es starke Belastungen aus den Naturkatastrophen gegeben hat. Das hat wie immer viele Väter des Erfolgs: Einerseits haben uns treue Vertriebspartnerschaften unsere Unterstützung (etwa flexible auf die Situation angepasste Regelungen) mit viel Geschäft gedankt. Und zwar über alle Sparten hinweg. Dazu kommt ein überdurchschnittliches Wachstum in der Lebensversicherung. Aber auch ein starker Zubau von Vertriebspartnern, trotz weltweiter Pandemie und unsicherer Märkte. Das deute ich als sehr positives Zeichen für großes Vertrauen potentieller Partner am österreichischen Versicherungsmarkt.

IVVA: Kommen wir zur Weiterbildung: Zum Jahresende muss der Vermittler wieder seine 15 Stunden gesammelt haben. Wie klappte es heuer mit der Weiterbildung in Zeiten der Pandemie?

Panhauser:
Wir haben ein umfangreiches Programm angeboten. Alle Veranstaltungsformen wurden genutzt und eingesetzt. Es gab kleine Präsenzworkshops und unsere Gewerbe-Akademien. Dazu Webinare und hybride Veranstaltungen. Oft musste auf die aktuelle Pandemielage kurzfristig reagiert und die Veranstaltungen entsprechend adaptiert werden. Ich denke, alle haben Ihre mindestens 15 Stunden geschafft.

IVVA: Nahmen Webinare zu – im Vergleich zu vor der Pandemie? Wird uns das als Folge der Pandemie erhalten bleiben?

Panhauser: Die Webinare nahmen massiv zu – wir haben viel dazugelernt und werden dieses Wissen auch in Zukunft im Sinne unserer Partner und Kunden weiterentwickeln und nutzen.

Nächste Woche erfahren wir von Vorstand Panhauser, welche Produktneuheiten es bei Helvetia gibt und warum eine Cyberversicherung die neue Feuerversicherung wird (um existentielle Probleme zu vermeiden). Auch der boomende Bereich der Lebensversicherung und das Thema Nachhaltigkeit kommen zur Sprache. Ebenso juristische Fachthemen, wie die praktische Umsetzung der IDD und DSGVO bei Helvetia und deren Agenten.

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