Ing. Thomas Lackner über News bei HDI und Auswirkungen Klimawandel (NL 1c/24)

Im Interview mit Ing. Thomas Lackner, HDI-Vorstand erfahren wir Details über den Generationswechsel, über den Geschäftserfolg des Unternehmens im Vorjahr, ersten konkreten Folgen des Klimawandels, ESG-Ziele und deren Umsetzung. Auch Überlegungen wie Nachhaltigkeit sich auf Versicherungen und Vermittler auswirken, welche neuen Produkte und Services es bei HDI gibt und Details über die praktische Umsetzung von IDD im Haus und auf Vermittler-Seite, waren Thema des Gesprächs.

 

Foto Ing. Thomas Lackner, copyright Atelier Prendinger

IVVA: Seit unserem letzten Interview sind schon wieder 2 Jahre vergangen. Daher freue ich mich, dass wir uns endlich wieder persönlich gegenübersitzen. Wenn auch in „neuer Besetzung“.

Daher möchte ich meine übliche Einstiegsfrage: „Was hat sich bei Ihnen in den letzten Monaten geändert?“ nutzen, um zu erfahren, welche personellen Veränderungen es in den letzten Monaten gab.

VST Thomas Lackner: Ja es hat sich sehr viel getan in den letzten Monaten. Wie Sie wissen, hat sich VST Günter Weiß per 1. 5. 2023 in die Pension verabschiedet. Er war für unser Haus 34 Jahre tätig, was heute fast unglaublich klingt.
Gemeinsam waren wir 18 Jahre aktiv. Nun kann er sich seiner anderen Leidenschaft, dem Produzieren von gutem Wein frönen. Und hat nun Zeit für Hobbies, Freunde und Familie.

IVVA: Aber es gab auch weitere Veränderungen im Vorstand der HDI….

Lackner: Korrekt. Seit Jänner 2023 habe ich zwei neue Vorstandskollegen mit Dipl.-Ing. Maria Kadan und Mag. Dieter Bankosegger.

IVVA: Und wie sieht die Arbeitsaufteilung im neuen Vorstand aus?

Lackner: DI Kadan ist für das Aktuariat, den Risikobereich und HR, also den wichtigen Personalbereich zuständig. Mag. Bankosegger ist für den Bereich Finanzen, aber auch IT und damit für den Zukunftsbereich Digitalisierung und Automatisierung zuständig.
Und ich selbst bin für den Vertrieb in Österreich und den Niederlassungen in Tschechien, Slowakei und Ungarn zuständig.

IVVA: Kommen wir zum zweiten Teil meiner üblichen Einstiegsfrage: Wie schaut die Vertriebs-Situation aus? Wie läuft das Jahr für Sie? Wachsen Sie?

Lackner: Trotz bewegter Zeiten mit vielerlei Krisen konnten wir 2022 das Prämienvolumen um über 6 % steigern. Wir haben über eine viertel Milliarde Euro Umsatz geschafft. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle sind um +3,4% gestiegen. Die Zahl der Schäden war im Vorjahr rückläufig. Aufgrund der Inflation und den damit gestiegenen Preisen z.B. bei Werkstätten, ergab sich 2022 ein höherer Durchschnittsschaden. Daher werden wohl hier künftig Anpassungen nötig werden, weil wir als Partner unserer Kunden unser Leistungsversprechen langfristig einhalten wollen.

IVVA: Wie schätzen Sie die Lage des Jahres 2023 ein?

Lackner: Die Probleme blieben gleich. Inflation, Zinserhöhungen, Krieg gegen die Ukraine und seine Folgewirkungen auf unsere Bevölkerung. Damit ist der Markt heiß umkämpft, vor allem in unserer Hauptsparte KFZ. Da merkt man auch, dass die Zahl der Neuzulassungen geschrumpft ist. Auch bei Haus/ Eigenheim oder Rechtschutz gibt es merklichen Marktdruck, weil die wirtschaftliche Situation der Menschen immer schwieriger wird. Daher werden viele Versicherungen hinterfragt, brauche ich das wirklich? Soll ich wirklich auf 3 Jahre verlängern oder reicht ein Jahr? Vollkasko oder reicht nicht auch Teilkasko?

Und überall merkt man die Inflation, weil dadurch Schäden für Versicherer immer teurer werden. Auch die Klimakatastrophen (NatCat) schlagen sich langsam in unseren Zahlen wieder.

IVVA: Ich nehme an, Sie sprechen von den Überschwemmungen, die z.B. im Süden von Österreich 2023 wieder besonders heftig waren.

Lackner: Genau. Steiermark, Slowenien, Norditalien, um nur ein paar Beispiele in unmittelbarer Umgebung zu nennen. Und diese Klimaveränderungen werden in Zukunft noch heftiger und damit schwieriger zu versichern werden.

IVVA: Da wird sich wohl die gesamte Versicherungswirtschaft etwas überlegen müssen. Manche fordern bereits eine Pflichtversicherung ein.

Lackner: Der VVO, der Versicherungsverband schlägt dafür seit Jahren Lösungen vor. Kurz nach einer Katastrophe gibt es darüber eine kleine Diskussion, wie die Versicherungswirtschaft auf die Zunahme dieser Elementarereignisse, die durch Klimaveränderungen häufiger und schlimmer werden, reagieren sollte. Aber danach schläft das wieder ein. Aber es gibt Märkte, wo es das bereits gibt, etwa in Spanien. Und dort funktioniert es sehr gut.

Studien der EU zeigen deutlich, wie die Klimaveränderung weiter gehen wird und wie heftig die Einzelereignisse werden können. Wie groß ist die Schadenslast und wie viel davon ist versicherbar?

Die Schadenslast steigt mit jedem halben Grad Erwärmung an. Die Schere geht auseinander, der „protection gap“ entsteht und unsere Branche oder die Gesellschaft als Ganzes wird sich überlegen müssen, wie man das vernünftig löst.

IVVA: Ich denke, das ist ein typisch menschliches Vorgehen. Auch bei anderen Themen wird eine Reaktion erwartet. Aber ein paar Tage später scheint wieder alles vergessen.

Lackner: Ja, nach einem kurzen Schock verfällt man dann schnell wieder in alte Bahnen zurück. Aber ich fürchte, wenn man die langfristige Versicherbarkeit sicherstellen möchte, wird man über solche Lösungen – wie auch immer sie im Detail aussehen werden – nachdenken müssen. Weil ansonsten die Folgen von Naturkatastrophen nicht von der Versicherungswirtschaft alleine gelöst werden können.

Klimaveränderungen zeigen bereits jetzt ihre Auswirklungen. Vor ein paar Jahren, etwa in den Nuller-Jahren – war eher der Norden Österreichs betroffen (man sprach vom Nord-Stau), jetzt häufigen sich die Schadensereignisse im Süden. Jetzt reden wir vom Süd-Stau. Steiermark, Kärnten war früher kaum betroffen. Das hat sich geändert. Die großen Hagelereignisse waren in den letzten Jahren im Süden. Stürme nehmen generell zu.

IVVA: In einem Interview mit Ex-Vorstand Weiß berichtete er mir einmal, dass ein Hagel-Unterwetter damals direkt auf dem HDI-Parkplatz losging und er schon an die nächste Bilanz dachte…

Lackner: Ja, Hagel ist für uns eine Hauptgefahr, das merken wir unmittelbar in der Bilanz. Bei Haus- und Eigenheim merken wir auch die Überschwemmungen. Aber da sind wir noch nicht so sehr in der Breite vertreten. Aber im KFZ-Bereich bereitet uns jede schwarze Wolke Sorgenfalten. Im Herbst sind wir diesbezüglich immer etwas entspannter …

IVVA: Kommen wir auf die Frage zurück: Wie wird das Jahr 2023 für HDI?

Wird es im Großen und Ganzen ein halbwegs gutes Jahr oder hinterlassen die Unwetter ihre Spuren?

Lackner: Die Lage ist von Bundesland zu Bundesland etwas unterschiedlich, aber im Ganzen betrachtet, wird es ein durchschnittliches Jahr werden. Aber wir sind nicht unzufrieden angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen, eben Inflation und Unwetter, dazu viel Unsicherheit im Markt, etc. Umsatzmäßig wachsen wir. Sowohl organisch, aber auch weil bei Inflation zwangsläufig Wachstum entsteht, wenn die Prämien an den VPI, etc. angepasst werden. Aber wir wachsen auch organisch. Das zeigt, dass unsere Produkte vom Kunden, von Ihren Agenten weiterhin gerne gewählt und gut angenommen werden.

IVVA: Gibt es neue Produkte, neue Konditionen, die Sie unseren Agenten erzählen möchten.

Lackner: Im KFZ-Bereich haben wir bereits 2022 ein neues Produkt gelauncht, das wir auch 2023 stark forciert haben und auch 2024 weiter anpasssen werden. Im Frühjahr 23 haben wir ein neues Haushalt-, Eigenheimprodukt auf den Markt gebracht. Das wird sehr positiv vom Markt aufgenommen.

Das wirkt sich auf die Gesamtzahlen noch nicht so stark aus, weil bei Sachversicherungen, besonders im Haus- und Eigenheim-Bereich, die Laufzeiten sehr lange sind, aber hier erwarten wir uns in den nächsten Jahren einen ziemlichen Push.

IVVA: Was zeichnet diese Produkte aus? Warum läuft es da so gut?

Mehr dazu erfahren Sie im zweiten Teil des Interviews.

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